Consent/Datenschutz
Datenschutz als Business-Booster: Wie Consent-UX & IDs die Erlöse ankurbeln
Datenschutz nervt? Stimmt – wenn man ihn falsch versteht. Richtig gedacht stärkt er Vertrauen, erhöht Einwilligungen, verbessert Datenqualität und zahlt auf Reichweite, Wirkung und den TKP ein.

Mal ehrlich: Welches Unternehmen stöhnt nicht über lästige Vorschriften und Bürokratielast im Zusammenhang mit Datenschutz? Eine Umfrage der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) von 2024 unter 4.900 Unternehmen aus nahezu allen Branchen zeigte: Bei mehr als drei Vierteln der Betriebe verursacht die Umsetzung der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) einen hohen bis extremen Aufwand. „Dieser Wert zieht sich über alle Unternehmensgrößen hinweg“, sagte DIHK-Chefjustiziar Stephan Wernicke.
Neben dem Arbeitsaufwand sorgen Rechtsunsicherheiten für Druck. Rund die Hälfte der Unternehmen sah sich innerhalb Deutschlands mit unterschiedlichen Rechtsauffassungen der Datenschutzbehörden konfrontiert, so Wernicke. Im Extremfall drohen Bußgelder von bis zu 20 Millionen Euro oder vier Prozent des weltweiten Jahresumsatzes – je nachdem, welcher Betrag höher ist. Inzwischen liegen auf EU-Ebene konkrete Vorschläge für gezielte Anpassungen der DSGVO vor. Sie betreffen unter anderem Erleichterungen bei den Dokumentationspflichten für kleinere Unternehmen und Organisationen mit weniger als 750 Beschäftigten.
Privacy wird zum Umsatzhebel
Vor diesem Befund liegt eine naheliegende Frage auf dem Tisch: Lässt sich mit den strengen Regeln Geld verdienen? Die Antwort: Wo Datenschutz verständlich erklärt, konsequent umgesetzt und messbar gemacht wird, wächst das Vertrauen. Aus Vertrauen entstehen Einwilligungen, aus Einwilligungen Datenqualität. Dort beginnt die ökonomische Seite der DSGVO: adressierbare Reichweiten, stabile Preise, belastbare Wirkung.
Wie das in der Praxis funktionieren kann, wurde auch auf der DMEXCO 2025 diskutiert: Datenschutz als Umsatztreiber statt Pflichtübung – mit klaren Produkten, schlanker Consent-UX, deterministischen IDs und Wirkungsmessung.
Mehr Transparenz, weniger Komplexität
Matthias Cada ist Managing Director bei Annalect, einem Spezialisten für datengetriebenes Marketing der Omnicom Media Group. Für Cada steht fest: Datenschutz hat die Spielregeln der Branche verändert – für Daten, Technologien und deren Anwendung in der Werbung. „Wir verdienen unser Geld, indem wir nicht nur Media einkaufen, sondern Datentechnologien und Analytics anders gruppieren und gestalten, um das zu bepreisen.“ So entstehen klar gebündelte Produkte.
Natürlich müssen Erhebung, Nutzung und Messung sauber strukturiert sein, damit ein Leistungsversprechen entsteht. Zwei Begriffe stehen laut Cada im Fokus: „Transparenz“ und „Multi-Channel“. In der Praxis heißt das Orchestrierung: Daten, Technologien und Kanäle werden zu einem klar definierten Angebotsmodul festgezurrt.
Zugleich bleibt Fragmentierung eine Hürde. Cadas Appell: „Collaborate to scale“ – also gemeinsam standardisieren, um Lösungen übersetzbar zu machen und Komplexität für Kundinnen und Kunden messbar zu reduzieren.
Consent: „Einfachheit schlägt Rechtssprache“
Consent-UX entscheidet über Reichweite und Erlös. Sandy Ukat vom RTL-Vermarkter Ad Alliance begreift Datenschutz nicht nur als Compliance-Pflicht, sondern als Vertrauensarbeit, die Zustimmung, Verweildauer und damit vermarktbare Reichweite erhöht. Operativ gelte ein klares Prinzip: „Einfachheit schlägt Rechtssprache.“ Gemeint ist Transparenz statt verschachtelter Layer, weniger Reibung in der Consent-UX, mehr Opt-ins, eine stabilere First-Party-Basis.
Ukat verweist darauf, dass deterministische IDs Reichweiten im Browser wieder adressierbar machen und Preisniveaus stützen. Die Folge: ein messbarer TKP-Uplift. So kann Regulierung auch Innovation begünstigen. Klar ist aber auch: Deterministische Daten sind sensibler als Cookies. Ihr Einsatz erfordert eine andere Tiefe in Kommunikation und Prozessen sowie kontinuierliches Lernen – bis hin zur Frage, wie das Thema bei Nutzenden adäquat platziert wird.
Datensparsam zum Erfolg
Stefan Jäkel, Geschäftsführer von emetriq und Initiator von T Advertising Solutions, unterstreicht: Daten sind eine Währung, gleichzeitig verlangt Datenschutz Zurückhaltung. Plattformen holen Einwilligungen oft einmalig beim Sign-up ein und arbeiten mit harter Identity. Im offenen Web tauchen dagegen wiederkehrende TCF-Prompts auf. Diese „inhärente Herausforderung“ in der Nutzererfahrung müsse erklärt werden, ohne sie als Qualitätsurteil zu missverstehen.
Je spitzer die Zielgruppe, desto geringer das Reichweitenpotenzial. Deshalb und mit Blick auf die DSGVO plädiert Jäkel dafür, Daten „synthetisch zu betrachten“, sie zu modellieren, um dadurch tatsächlich in der Lage zu sein, datensparsam zu agieren und gleichzeitig einen Wert daraus zu ziehen.
Alles in allem betrachtet T Advertising Solutions „Datenschutz weniger als Hemmnis oder Hindernis, sondern tatsächlich als Treiber für Innovation“. Europa könne daraus einen Wettbewerbsvorteil entwickeln. Immerhin war die Branche hier früher gezwungen, saubere Lösungen zu bauen.